reflections

Ich gehe die Straße entlang. Noch etwa zehn Minuten bis zum Bahnhof. Ich muss in die Stadt, Medikamente besorgen. Eben war ich noch bei meiner Ärztin: Alles in Ordnung.
Puh. Glück gehabt. Was habe ich mir Gedanken gemacht, sie könnte etwas merken. Wenn nicht eine Psychiaterin, wer denn dann? Aber nichts.
In diesem Moment schlägt er zu, sodass ich scharf einatme, krallt sich in meinen Bauch, pochend und verlangend.
Hunger.
Wie verständlich, schließlich ist es bereits nach Mittag und ich habe noch nichts gegessen. Gestern auch weniger als 500kcal, viel weniger. Gemüsebrühe (6kcal/100ml), 1 Amaretto Kirsch und einige frische Himbeeren aus dem Garten. Nachmittags gab es Grießbrei mit Kirschen, aber der ist nicht lange drin geblieben.

Jetzt dieser Hunger. Hunger hurts, but starving works. Aus welchem Lied stammt das noch mal? Vor lauter Hunger kann ich nicht mehr klar denken.
Oh Mist. Gleich komme ich an einem Mr Baker vorbei. Ich könnte ja....
Nein! Ich darf nicht einmal daran denken, das hat alles viel zu viele Kalorien. Aber vielleicht ein Brötchen? Ich denke angestrengt darüber nach, runzle die Stirn, während ich das frische, knusprige Brötchen schon fast auf der Zunge schmecken kann.

Es ist erstaunlich, wie intensiv man Geruch und Geschmack von Speisen wahrnimmt, wenn man fast nichts mehr isst.

Dann denke ich: Schlag es dir aus dem Kopf! Du weißt ja nicht einmal, wie sie hier die Brötchen zubereiten, also musst du schon 100kcal pro Brötchen rechnen. 100 Kalorien! Überleg doch mal, wie viele Möhren du dafür essen könntest.
Und mit abgewandtem Gesicht gehe ich an der geöffneten Tür der Bäckerei vorbei, während mir dieser Duft, dieser wunderbare, verlockende und unfassbar gemeine Duft in die Nase steigt und meinen Hunger wie ein gefangenes Tier in seinem Käfig knurren lässt.

Knurr du nur, du Hunger. Ich werde dich sicher nicht freilassen.


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